Geotagging mit dem GeoSetter

Freitag, 16. Mai 2008 | Autor:

Der GeoSetter ist ein Werkzeug, bei dem es hauptsächlich um das Einfügen von Geo-Koordinaten in die Metadaten von Bildern (sog. Exif-Daten) geht, also das Geotagging. Wie andere Tools kann man ihn auch als allgemeinen Exif-Editor verwenden. Er bietet eine aufgeräumte Arbeitsoberfläche, mit der man schnell zurecht kommt, wenn man sich einmal mit der Bedeutung aller Symbole vertraut gemacht hat.

Hier nun die Details:

Bilderanzeige

Vorbildlich umschaltbar zwischen Thumbnail und Tabellendarstellung, Auswahl der angezeigten Spalten (aus der Vielzahl der Exif-Felder), umfangreiche Filtermöglichkeiten lassen hier kaum Wünsche offen. Einfach- und Mehrfachselektionen sind möglich. Das ausgewählte Bild erscheint dann unten und kann in verschiedenen Zoomstufen angezeigt werden. Ein Bild kann entweder eine JPG- oder eine RAW-Datei sein. Auch mit letzterer funktioniert die Vorschau einwandfrei (getestet mit Canon’s RAW-Format CR2).

Landkarte und Route

Die rechte BIldschirmhälfte des GeoSetters enthält im oberen Teil eine Google-Landkarte und unten die Verwaltung von Tracks, also Routen. Vorbildlich ist, daß mehrere Routen geladen und die Einzelpunkte einer Route angezeigt werden
können. Um in der Karte besser navigieren zu können, stehen eine Suchfunktion und eine Favoritenverwaltung zur Verfügung. Die Karte bietet die typischen interaktiven Funktionen wie Zoom und Verschieben des Ausschnitts mit der Maus. Mit einem Klick kann ein auf der Karte angezeigter Standort zu den GPS-Daten eines Bildes hinzugefügt werden, somit also ein manuelles Geotagging.

Geotagging mit dem GeoSetter: Arbeitsoberfläche

Automatisches Geotagging

Natürlich wäre der Geosetter kein echtes Geotagging-Tool, wenn man nicht automatisch anhand von Trackdaten geokodieren könnte. Die entsprechende Funktion beim Geosetter heißt "Synchronisierung mit GPS-Datendateien". Dass man schon wieder verschiedene Möglichkeiten hat, Dateien auszuwählen, nämlich die in der Arbeitsoberfläche geöffneten, oder neu auszuwählende oder alle in einem auszuwählenden Verzeichnis ist meines Erachtens nicht nötig. Eine Trackverwaltung genügt.

Geotagging mit dem GeoSetter: Zeitanpassung

Zeitanpassung beim Geotagging

Ebenso wird bei der Kür, der Zeitanpassung, wieder aufwendig ein letztendlich manueller Abgleich in Automatismen verpackt, die nicht nötig wären. Im Endeffekt kann man eine Differenz zwischen Track und Kamera einstellen. Hierzu bietet das Programm eine Vorgabe der Stundendifferenz, die sich aus der Windows-Zeitzone ergibt (im Vergleich zur Satellitenzeit des GPS-Systems). Alternativ kann man die Zeitzone selbst auswählen. Das ergibt aber doch nur die Stundendifferenz. Bei den Sekunden wird’s nochmals knifflig. Somit kann ich eigentlich auf die halbautomatische bis automatische Ermittlung der Stundendifferenz verzichten.

Was aber wirklich sinnvoll ist, ist die dritte Option "Benutze Wegpunkt" zur Synchronisation. Man kann einen Wegpunkt (wiederum aus einer neuen Datei oder aus der schon vorher gewählten Track-Datei) auswählen, von dem man weiß, daß er genau zur selben Zeit erzeugt wurde, als ein Fotogeschossen wurde. D.h. man hat quasi gleichzeitig den Auslöser der Kamera gedrückt und den Knopf "Wegpunkt erzeugen" am GPS-System. Das Bild kann man dann auswählen und über die Verknüpfung zwischen Bild und Wegpunkt wird eine Zeitdifferenz berechnet.

Beim ersten Ausprobieren wollte ich schon kritisieren, daß es wirklich ein Wegpunkt (waypoint) sein muß, kein Routenpunkt (Trackpoint). Mein GPS-Logger zeichnet eben nur Tracks mit Trackpoints auf, keine Wegpunkte. Die beiden Arten von Punkten unterscheiden sich in der der Dateidarstellung, und diese Unterscheidung macht genau an der gerade beschriebenen Stelle im Programm Sinn. Es kommt bei dem Punkt nicht darauf an, wo er aufgenommen wurde, sondern ausschließlich, wann er aufgenommen wurde. Mein erster Gedanke war, die Routenpunkte auf der Karte anzusehen, und denjenigen herauszusuchen, der dem Ort des Referenzfotos (den ich mir dazu natürlich merken muß) am nächsten kommt. Den hätte ich dem Geosetter gerne als Referenz zum Zeitvergleich genannt. Aber die räumliche GPS-Auflösung ist einfach zu ungenau. Es kann ja sein, daß auf der Karte ein GPS-Trackpoint genau auf der Position des Referenzbildes zu sein scheint, tatsächlich aber ein paar Meter entfernt war und der Punkt, der fünf Sekunden später aufgezeichnet wurde, näher war und dessen Zeitstempel eine bessere Referenz wäre.

Gleiches Gedankenspiel gilt für den rein manuellen Abgleich. Normalerweise dauert es ja ein wenig, ein Foto zu schießen. Und das Thema logging wird dadurch ja entschärft (wenn man 30 Sekunden an einer Stelle steht, spielt eine Zeitdifferenz von 5 Sekunden beispielsweise keine Rolle mehr). Anfangs habe ich immer absichtlich ein Referenzfoto in einer Kehrtwende bei schneller Bewegung geknipst. Also 10m laufen, umdrehen und dabei ein Foto machen. Dann den äußersten Punkt im GPS-Log suchen -> der muß dann exakt zum Foto gehören.

Pustekuchen, wegen der GPS-Ungenauigkeit kann es wieder sein, daß es doch ein anderer Punkt war, der zeitlich besser zum Foto paßt. Also, ein absichtlich gesetzter GPS-Zeitstempel (in Form eines Wegpunkts), der synchron mit einem Foto ausgelöst wurde, ist die beste Basis für die Synchronisation (und das alles nur, weil die Kameras keinen Sekundenzeiger haben … sonst könnte man sich am Abend hinsetzen, Uhrzeit der Kamera und Uhrzeit des GPS-Systems vergleichen, Differenz notieren, fertig).

Als letzten Kommentar zum Thema Zeitdifferenz möchte ich nochmals die Ungenauigkeit des GPS-Systems ins Spiel bringen. Die Uhrzeiten können noch so gut synchronisiert sein und ich kann noch so lange Stillstehen und ein Foto schießen – die Geo-Koordinaten bleiben dennoch ungenau, weil der GPS-Track dann eben mit seiner Ungenauigkeit um den Standort des Fotografen "herumzappelt".

Fazit

Der GeoSetter ist ein sehr gutes Tool, zumal als freie, kostenlose Software. Alle etwas negativen Anmerkungen waren Kleinigkeiten. Allerdings kann bei der Softwareauswahl ein Feature den Ausschlag geben, über das gerade ein anderes Programm verfügt. p>

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