Geotagging mit RoboGEO

Freitag, 16. Mai 2008 | Autor:

RoboGeo ist eine kostenpflichtige Software. Bei den vielen Freeware-Schätzen, gerade im Geo-/GPS-Bereich, vergißt man manchmal, daß es auch sowas gibt…
Die Version für den persönlichen Gebrauch kostet knapp 40 USD, ist also durchaus erschwinglich. Dafür leistet das Programm auch so einiges:

Arbeitsoberfläche

Das User-Interface von RoboGeo ist sehr einfach gehalten. Ein Preview-Fenster, ein Grid mit der tabellarischen Auflistung von wahlweise den Bildern oder den geladenen Trackpunkten und Befehlsknöpfe. Am linken Rand sind die Funktionen workflow-orientiert aufgelistet. Step 1 lädt Fotos, Step 2 lädt Routeninformationen zum Zusammenmischen und in Step 3 erfolgt eine Verarbeitung mit dem entsprechenden Output

Geotagging mit RoboGeo: Arbeitsoberfläche

Workflow und Einstellungen (Preferences)

Während der erste Schritt noch sehr übersichtlich die Fotos entweder individuell oder verzeichnisweise lädt, gibt es für die GPS-Daten schon mehr Möglichkeiten. Man kann sie online von angeschlossenen GPS-Geräten laden oder als Dateien laden. Ebenso kann man Orte manuell per Google Earth bestimmen. Eine Landkarte direkt im Programm sucht man leider vergeblich. Tatsächlich ist die Variante per Google Earth leistungsfähiger, da man seine gewohnten Werkzeuge, Ebenen und Ortsmarken nutzen kann, während die in Geotagging-Tools integrierten Google- oder Microsoft-Landkarten abgeschlossene Bereiche sind und man auf die Möglichkeiten des Tools angewiesen ist (z.B. „Favoriten“ im Geosetter – sind natürlich nicht halb so leistungsfähig wie die Ortsmarken-Verwaltung von Google Earth).
Zusätzlich zur Nutzung von Google-Earth können bereits kodierte Fotos auf beliebigen Webseiten angezeigt werden, sofern für die Webseite ein Aufruf der Art www.tolle-maps.de/show ..[longitude] …[latidude] möglich ist. Die aufzurufende URL kann mit den beiden Platzhaltern für das Koordinatenpaar konfiguriert werden.
Auch alle anderen Verarbeitungsschritte können auf vielfältige Weise mit Parametern gesteuert werden. Hierzu siehe der Ausschnitt aus den „Preferences“. Leider sind „UtcTimeBias“ und „CameraOffset“, die den Zeitunterschied (Zeitzone plus weitere Differenz) zwischen GPS-Daten und Kamera angeben, auch nur solche Parameter. Es gibt also keinen erweiterten Mechanismus zur Synchronisation.

Geotagging mit RoboGeo: Workflow und Einstellungen

Manuelle Ortsbestimmung, in Google-Earth integriert

 

Geotagging mit RoboGeo: Manuell mit Google Earth geotaggen

Verarbeitung und Ausgabe

Die Möglichkeiten im Schritt 3 sind sehr vielfältig. Natürlich ist das Wegschreiben der kodierten Exif-Daten eine Option. Man kann die Koordinaten aber auch tatsächlich in die Bilder hineinstempeln lassen. Schriftarten, Farben, Formate sind wiederum umfangreich per Parameter steuerbar. Es gibt Export-Schnittstellen zu Profi-Programmen (Shapefile, DXF file, MapPoint) sowie zu Google Earth und zum Bilderdienst flickr.

Google Earth Export

RoboGeo ist in der Lage, Ortsmarkendateien, also KML oder KMZ (gepackte KML-Datei) zu erstellen, die Ortsmarken für jedes Bild und eine Anzeige des geladenen Tracks enthalten. Dabei kann ein Text angegeben werden, der bei Klick auf die Ortsmarke angezeigt wird. Auf das Bild selbst kann wahlweise verzichtet werden, oder (sinnvoller) es kann in Originalgröße oder verkleinert mit in die Datei aufgenommen werden, oder es können Referenzen auf die Bilder aufgenommen werden.
Die Beschreibung wird auch in die Exif-Daten aufgenommen, was zunächst ganz nett ist. Dabei offenbart sich allerdings ein kleines Manko: zu viele Metadaten sind in die Editierdialoge der Prozesse/Funktionen aufgenommen worden. Die Editiermöglichkeit für die Beschreibung gehört eigentlich in das Grid. Man möchte die ja auch ändern können, wenn man keinen Google-Export plant.

Geotagging mit RoboGeo: Google-Earth Export

Flickr Export

Der Upload zum Bilderdienst flickr erfolgt über die flickr-API, was natürlich nur ein technisches Detail ist, das man als Benutzer nicht wissen muß. Lediglich bei der ersten Benutzung muß RoboGeo innerhalb von flickr authorisiert werden. Die Bilder, die hochzuladen sind, können auf Wunsch in der Größe geändert werden, weiterhin können Tags, Titel und Beschreibung eingegeben werden. Die Geotags werden natürlich automatisch erzeugt. All diese Daten werden wie schon beim Google-Export in die Exif-Daten aufgenommen. Das diesbezüglich Gesagte trifft also auch hier: das Editieren von Tags sollte im Grid möglich sein.

Geotagging mit RoboGeo: flickr Export

Place Lookup / weitere Sonderfunktionen

Eine Interessante Neuerung in der Version 5.3.9 von März 2008 ist die Funktion, Koordinaten von bekannten Plätzen bzw. Sehenswürdigkeiten einfach per Klick abzurufen. Im Bild für den Kölner Dom zu sehen:

Geotagging mit RoboGeo: Place Lookup

Es gibt noch viele weitere Sonderfunktionen, wie z.B. die Verbindung von Audio-Daten mit Geo-Koordinaten. Sinnvoll, wenn man zusätzlich oder statt des Fotoapparats ein Diktiergerät benutzt, um Informationen über die besuchten Plätze aufzunehmen.

Fazit

RoboGeo ist ein sehr leistungsfähiges Programm, daß zumindest unter den in froutes vorgestellten Programmen die Nase vorn hat. Weniger leistungsfähige Programme punkten evtl. durch einfachere Bedienung. Und es gibt teilweise auch Funktionen in freien Programmen, die man bei RoboGeo vermißt, z.B. komfortable Unterstützung von Zeitsynchronisation statt nur Angabe einer Differenz, oder auch das Auslesen von Adressen aus GPS-Infos oder umgekehrt (Microsoft Pro-Photo Tools). froutes enthält mehrere Tausend geokodierte Fotos, die allesamt mit RoboGeo kodiert und nach flickr hochgeladen wurden. Einmal ist ein Problem aufgetreten, das durch den Programmierer beseitigt wurde.
Man kann RoboGeo also als ausgereift für die Aufgabe betrachten. Und wer eine der Profi-Funktionen benötigt (ESRI-Shapefile…), stößt sowieso an die Grenze der freien Programme und benötigt z.B. RoboGeo.

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Thema: Geotagging von Fotos, Google und Microsoft Earth

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